Ich weiß,

dass einem aus der stillen und hingebungsvollen Kameradschaft eines Hundes

Kräfte zufließen,

die einem keine andere Quelle spendet.

 

(Doris Day)

Vogelfütterung im Winter – ein kleiner Beitrag zum aktiven Vogelschutz

 

Über die Fütterung frei lebender Vögel gibt es so viele unwahre und unsinnige Veröffentlichungen, obwohl es einige wissenschaftliche Fortschritte und daraus resultierende Erkenntnisse gibt, die belegen, dass die Fütterung von Wildvögeln – wird sie richtig praktiziert - sinnvoll und richtig ist.

Im Folgenden einige Erklärungen von Deutschlands bekanntestem Ornithologen Peter Berthold zu verbreiteten Irrtümern über die Vogelfütterung:

 

 

Wildvögel brauchen keine Fütterung im Winter, sie finden auch so genug. Allenfalls wenn es wirklich eiskalt ist, kann man ein wenig füttern“.

 

Unsere Landschaft ist durch die optimierte Bewirtschaftung der Flächen und die zunehmende Bebauung so ausgeräumt, dass die Nahrungsangebote in Menge und Vielfalt für die meisten Vogelarten gerade im Winter völlig unzureichend ist (Rückgang der Samenvielfalt durch frühe Ernte von Früchten und Getreide und die Unkrautbekämpfung, Rückgang der Insektenbestände,...).

Zwar ist es so, dass Vögel das winterliche Futter entgegen des häufigen Irrglaubens nicht zwingend zum Überleben brauchen, aber der starke Rückgang vieler Vogelarten geht auf die Vernichtung und Verschlechterung der Lebensräume – vor allem der Nahrung – zurück. Dies kann man zumindest teilweise durch Zufütterung ersetzen.

Um zu verstehen, wie wichtig eine Zufütterung selbst für die Allerweltsarten sein kann, muss man sich nur klar machen, dass ein meisengroßer Vogel von etwa 20g Körpergewicht in einer einzigen kalten Winternacht etwa 2g, also 10% seiner Körpermasse verliert um seinen Stoffwechsel bei einer Körpertemperatur von mehr als 40°C aufrecht zu erhalten!

Muss der Vogel am nächsten Tag auch noch viel Energie verwenden um sich auf Futtersuche zu begeben, ist er sehr schnell in einem kritischen Ernährungszustand. Damit dürfte auch geklärt sein, dass ein Vogel seine Futterstelle kennen muss, bevor die kritischen Winterbedingungen einsetzen. Um das sicher zu stellen, muss bereits lange vor der Winterperiode mit der Fütterung begonnen werden. Sinnvoll ist es, damit im September zu beginnen, sofern keine Ganzjahresfütterung betrieben wird. Ab diesem Zeitpunkt sollte die Fütterung auch bei mildem Wetter nicht mehr unterbrochen werden. Jene Zeiten können den Vögeln helfen, ihre Fettdepots aufzufüllen um die nächste Kältewelle besser überstehen zu können. Beendet werden sollte die Fütterung nicht vor Beginn der Brutzeit (etwa im April).

 

 

Die Fütterung hilft nur den häufigen Vogelarten, selten den bedrohten Arten, welche eh nur selten an Futterstellen anzutreffen sind“.


Natürlich profitieren zunächst die „Allerweltsarten“ von einer Fütterung. Doch wird dabei vergessen, dass deren Fütterung dazu beiträgt, erfreulicherweise noch nicht zurückgehende Kleinpopulationen bisher weniger gefährdeter Arten stabil zu erhalten. Ist eine Art erst gefährdet, kann man ihr erfahrungsgemäß überhaupt nicht mehr helfen.

Wenn man nur füttert, wenn Schnee liegt und die Temperatur auf minus fünf Grad sinken (wie es leider fälschlicherweise heute noch oft von diversen Naturschutzorganisationen empfohlen wird, siehe oben), erscheinen in der Regel nur die Allerweltsarten (z.B. Amseln, Rotkehlchen, Blau- und Kohlmeisen). Es gibt mehr davon, also kommen auch mehr. Je weniger Arten auf einem gewissen Raum leben, desto unwahrscheinlicher ist es selbstverständlich auch, dass sie an einer Futterstelle auftauchen. Viele Vögel (gerade die gefährdeten!) muss man lange füttern bis sie sich einfinden, weil sie in der Regel sehr scheu sind oder ein spezielles Futterangebot benötigen, welches von Gelegenheits- Fütterern oft nicht geboten wird. Wer regelmäßig und vielseitig füttert, wird allerdings zwischen 30- 70 verschiedene Vogelarten an seiner Futterstelle beobachten können.

 

 

Vogelfütterung ist unhygienisch, da Kot ins Futter gelangt. Die Tiere können sich gegenseitig anstecken. Außerdem lockt die Fütterung Ratten, Stadttauben oder andere ungebetene Gäste an“.

 

Grundsätzlich sind Kleinvögel äußerst unempfindlich gegen Krankheiten. Sie leben mit einer Körpertemperatur von 43 bis 44 Grad. Keime haben dadurch fast keine Möglichkeit sich zu etablieren. Es gibt eine wissenschaftliche Arbeit über die Infektionsgefahr an Futterstellen. Dabei kam heraus, dass selbst an Vogelhäuschen, die ein Jahr lang niemand säuberte, die Vögel gesund blieben. Eigentlich ist das nicht verwunderlich. Man muss sich nur einmal vorstellen, welche hygienischen Bedingungen die Vögel vor 200 Jahren in den Dörfern vorfanden...

Wer dennoch wirklich sicher gehen möchte, bietet Futter in Silosystemen an, dort ist es vor Feuchtigkeit und Verschmutzung geschützt.

Auch ungebetene Gäste können sich so nicht frei am Futter bedienen. Gerade Tauben sollte man auf diese Art und Weise fern halten, in manchen Städten kommt man sogar mit dem Gesetz in Konflikt, wenn man diese Tiere füttert. Es gibt auch Gitterglocken, durch deren Maschen Tauben nicht hindurch kommen, wohl aber die kleineren Vögel.

 

 

Zusammenfassung: Wie sollte gefüttert werden?

  • ganzjährig oder durchgehend von September bis etwa April

  • in Silosystemen oder Vogelhäusern auf einer möglichst großen Fläche

  • Futter (je nach Vogelarten): Weichfutter, Körner, Früchte, Nüsse/ Sämereien, Fettnahrung

 

Von der Vogelfütterung profitiert noch einer: Der Mensch.

Denn Vogelfütterung ist ein guter Naturkundeunterricht und es kann große Freude bereiten, wenn sich plötzlich seltene Vogelarten im eigenen Garten tummeln.

Hier geht es zu unserer Futterstelle.

 

Literatur:

Peter Berthold/Gabriele Mohr, Vögel füttern- aber richtig, Kosmos- Verlag

Lohmann, Michael; Vögel am Futterhaus; blv- Verlag

http://www.welt.de/wissenschaft/tierwelt/article5910484/Voegel-fuettern-ist-unsere-moralische-Pflicht.html