Ich möchte an dieser Stelle darauf verzichten, hier das Wesen, den Standard, die Geschichte und die Bedürfnisse des Berger des Pyrénées umfassend zu beschreiben: Wer sich für die Rasse interessiert, findet auf jeder Homepage über diese Rasse Informationen zur Genüge.
Ich möchte einfach einen kleinen Einblick in Émiles Wesen geben.
Diderot und Émile beim Spiel
Besonders erwähnenswert erscheint mir Émiles vorzügliches Sozialverhalten gegenüber anderen Hunden.
Als Welpe und Junghund war er äußerst frech und penetrant. Mittlerweile ist er erwachsen geworden und hat es nicht mehr nötig, sich bei anderen Hunden anzubiedern.
Er verhält sich gegenüber anderen Hunden immer angemessen und begegnet ihnen selbstbewusst aber friedlich.
Émile verfügt über ein beachtliches Repertoire an Spielvariationen, mit dem er beinahe jeden Hund um die Pfote wickeln kann. Er stellt sich erstaunlich flexibel auf jeden Hund ein und bringt vielseitige Spielideen in die hündischen Kontakte ein.
Dies beschert ihm einen großen Fankreis: In unseren heimischen Gassi- Revieren ist Émile bekannt wie ein bunter Hund, weil er mit seinem Spielverhalten und seinem überschäumenden Temperament Schwung in jeden lahmen Hundespaziergang bringt.
Hierzu eine kurze Geschichte, die mir widerfahren ist: Ich ging mit Émile in den heimischen Gefilden spazieren, da kamen uns zwei fremde Menschen mit Hund entgegen. Die Frau musterte Emil
nachdenklich und fragte mich, ob mein Hund zufällig Emil heiße.
Ich bejahte und fragte nach dem Grund ihrer Frage. Sie: "Ach, alle Hundebesitzer der Umgegend reden ständig von einem kleinen schwarzbunten Rüden, mit dem sich selbst problematische Hunde
vertragen und der sogar Hunde zum Spielen bewegen kann, die sonst nie spielen".
Natürlich ist Émile kein Wunderhund: Je erwachsener er wird, desto eher möchte er auch mal aufs Spielen verzichten. Zu kleinen Welpen ist er manchmal richtig eklig, die möchte er gerne unterbuttern. Und wenn er von einem Halbstarken „angemacht“ wird, kann er – so typisch Rüde – auch selten seine Klappe halten. Seit er erwachsen geworden ist, lässt er sich da auch gerne mal provozieren, wobei es nie zu einer ernsthaften Auseinandersetzung kommt - es werden einfach mal dicke Arme gemacht, ohne wirklich böse Absicht...
Wir belästigen mal den Richter...
Den Bergers sagt man nach, dass sie Fremden gegenüber zurückhaltend bis scheu sind und sich nicht gerne anfassen lassen.
Émile ist da wohl eine Ausnahme: Er ist allen Menschen gegenüber überschwänglich freundlich, sogar mit der Tendenz zur Aufdringlichkeit. (Leider konnte ich ihm das Hochspringen auch nie richtig abgewöhnen, wobei ich mir ehrlich gesagt auch nicht viel Mühe darin gemacht habe).
Als Sozialpädagogin in einem Kinderheim arbeitend, hatte ich Émile auch schon bei den Kindern dabei. Er ist sehr geduldig, verspielt und kontaktfreudig, niemals würde er schnappen, selbst dann nicht, wenn man ihn provoziert und reizt.
So mancher Hund würde schon bei weit weniger Anlass die Flucht ergreifen oder zumindest die Zähne fletschen.
Émile blieb bisher Menschen gegenüber in jeder Situation freundlich und kooperativ. Jedes Kleinkind könnte ihm einen Knochen wegnehmen, er würde nur gespannt warten, bis er ihn zurückbekommt.
Keine Angst vor tiefem Wasser
Émile ist zwar immer in Bewegung, aber dabei selten nervös. Die meisten Dinge nimmt er sehr entspannt hin: Schon als fünf Wochen alter Welpe, als wir die Welpen zu ihrem ersten Ausflug zum Bahnhof begleiteten, fiel mir auf, dass Émile der Welpe war, der am lässigsten auf die neue Situation reagierte. Die anderen Welpen blickten sich teilweise sehr beeindruckt um, zitterten vor Aufregung oder schraken bei lauten Geräuschen zusammen. Émile hing dagegen wie ein nasser Sack in meinem Arm und schaute sich alles in Ruhe an. Das war einer der Hauptgründe, warum ich mich damals für ihn entschied. So ist das auch heute: So schnell bringt ihn nichts wirklich aus der Ruhe. Er ist bei viel Trubel zwar aufgeregt, lässt sich gerne mitreißen, wird aber nicht nervös, sondern bleibt unerschrocken und wenig beeindruckt von der Situation.
Nur eine Sache macht ihn wirklich wahnsinnig: Fluginsekten. Von ihnen wird Émile vollkommen hysterisch...
Eine - wie ich finde – sehr süße Eigenart von Émile ist sein manchmal auftretendes Misstrauen gegenüber „komischen“ Dingen, die nicht in sein Umweltschema passen: Émile kann sich herrlich aufregen über Mülltonnen im Dunklen, Gartenzwerge, seltsam geformte Baumwurzeln, Schneemänner, die ihn schief anschauen, Kürbisse oder irgendwelche Rohre, die aus dem Boden schauen. Er wird dann vorne ganz merkwürdig groß, wie ein Mann, der dicke Muskeln macht, streckt angeberisch die Hinterbeine nach hinten raus, stellt seine Nackenhaare, schiebt den Hals nach vorne und verbellt das Objekt mit einer tiefen, empörten Stimme.
Ich glaube dann hat er die Hosen voll. Aber immerhin beweist er stets Mumm und ist bereit, sich die Dinge dann auch richtig anzuschauen und sich von ihrer Ungefährlichkeit zu überzeugen.
Dieses Verhalten zeigt er selten auch gegenüber Menschen, die ihm komisch erscheinen: Mal war das ein Mann, der Langlaufski quer über der Schulter trug, oder Leute, die einfach nur seltsam in der Gegend rum standen und irgendwie „verdächtig“ auf meinen Hund wirkten. Er hält aber immer gebührend Abstand. Seine Empörung schlägt auch schnell in die gewohnte Freundlichkeit um, wenn er merkt, dass es "nur ein ganz normaler Mensch" ist. Letztendlich würde er vermutlich sogar jeden Einbrecher freundlich begrüßen…
So süß sie auch aussehen mögen: Bergers sind keine niedlichen Couchpotatoes!
Émile ist nicht umsonst unser durchgeknalltes Turboteil. Die meiste Zeit des Tages ist er in Bewegung, allzeit bereit, etwas zu schaffen. Bei Spaziergängen kennt er nur eine Gangart und die ist ziemlich schnell… Immer hat er etwas zu tun.
Dabei ist er von seinem Wesen her immer betont fröhlich, unbeschwert und lustig. Das ist in meinen Augen ein Charme vieler Bergers, während andere Hunde meist sehr viel ernster sind. Ihm fallen immer wieder Dinge ein, über die man einfach nur lachen kann, beispielsweise wenn er seine fünf Minuten (= Flizz) bekommt und mit eingezogenem Hintern und fliegenden Vorderbeinen in engen Achtern Haken schlägt, einfach, weil es Spaß macht.
Verwunderlich ist, dass Émile fast nie bellt: Es kann an der Tür Sturm klingeln, oder man kann ihn ihm Spiel sehr hoch pushen: Die Klappe bleibt meistens geschlossen, was unschätzbar angenehm und für einen Berger äußerst ungewöhnlich ist.
In der Wohnung ist Émile – langen Erziehungsbemühungen sei dank - mittlerweile relativ ruhig. Er ist kein Hund, der sich stundenlang in eine Ecke legt und schläft: Er beobachtet genau, was um ihn herum passiert, möchte immer dabei sein, aber kann sich auch gut selbst beschäftigen (mit Kaumaterialien oder Spielzeugen). Nachts schläft er vollkommen ruhig ohne zu wandern in seinem Körbchen und rührt sich erst, wenn wir selbst aufstehen.
Trotz allen Temperaments ist Émile aber ein leidenschaftlicher Schmuser: Nichts ist für ihn schöner als Körperkontakt und er sucht ihn, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet.
Wirbelwind Émile
Hütehundtypisch ist Émile stets sehr steuerbar und aufmerksam. Er versucht selten, seinen eigenen Kopf durch zu setzen, arbeitet niemals bewusst gegen mich um eigene Interessen wahrnehmen zu können. Dadurch waren bestimmte erzieherische Übungen, wie der Rückruf, auch nicht sonderlich schwer zu konditionieren, da er einfach immer versucht das zu tun, was von ihm erwartet wird.
Diesen Grundsatz vergisst er nur bei wenigen Dingen, z.B. bei Katzen oder läufigen Hündinnen. Selbst von Wild oder Schafen lässt er sich zuverlässig abrufen.
Wenn ich etwas mit Émile arbeite, ist er mit höchster Motivation dabei. Er ist ein klassischer „Denker“: Er möchte mit dem Kopf arbeiten und ist dabei immer mit Feuereifer bei der Sache: Clickertraining, Trickarbeit, Fußarbeit (Unterordnung), etc. In solchen Dingen ist Émile auch ein absoluter Blitzlerner, es ist unglaublich, wie schnell er eine Übung versteht.
Actionspielen ist Émile auch nicht abgeneigt: Zerrspiele, Toben, etc., allerdings muss man vorsichtig sein, weil er sich dabei leicht zu sehr reinsteigert und überdreht. Seine bodenlose Liebe gilt Stöcken jeder Form und Größe oder leeren PET- Flaschen.
Wird Émile etwas zu viel, kann er sich aber auch schlagartig zur absoluten Schnarchnase entwickeln und sich vollkommen verweigern. Er wirkt dann sehr verhalten. Dies passiert, wenn ich große Fehler im Training mache oder Émile etwas gegen den Strich geht (er beispielsweise von einem anderen Rüden angepöbelt wurde). Sie sind halt doch äußerst sensibel, die Bergers...